Wie viel Zeit muss ich mit Rosetta Stone investieren?
Eine einzelne Lektion (ca. 35 Übungen) kann gut und gerne 10 bis 15 Minuten in Anspruch nehmen. Und dann hast du vielleicht gerade einmal 5 bis 10 Vokabeln gelernt.
Wenn du einen Sprachkurs suchst, mit dem du täglich deine 5 bis 10 Minuten abrocken kannst, ist Rosetta Stone nichts für dich. Wegen der immersiven Lernmethode musst du dich wirklich mit den Inhalten beschäftigen.
Das liegt daran, dass du die Vokabeln bis zur Erschöpfung paukst – und das schon direkt zum Einstieg. Da Rosetta Stone stark auf die visuelle Darstellung von Vokabeln setzt, schaust du dir also ein Bild nach dem anderen an, und ordnest sie immer wieder den gleichen oder ähnlichen Vokabeln zu.
Übungen für Wortschatz, Grammatik und Co. sind zwar vom Kern her unterschiedlich – sie sehen aber trotzdem im Grunde exakt gleich aus. Wegen der Immersion werden Grammatikregeln auch gar nicht erklärt; stattdessen sollst du sie dir selbst herleiten.
Screenshot: trusted.de
Quelle: rosettastone.com
Die einzelnen Übungen sehen aufgrund der vielen Bilder oft identisch aus. Allerdings sprichst du nicht einfach nur Sätze nach, sondern nimmst ganze Wörter auseinander, um die Betonung zu perfektionieren. Oder du beantwortest Fragen, um dir den Kontext zu erschließen. Oder du sollst per Sprachaufnahme sagen, was auf den Bildern geschieht. Inhaltlich bietet Rosetta Stone also doch Abwechslung.
So wird oft nicht nur ein Aspekt gelernt, sondern mehrere in Kombination; also z. B. Leseverständnis, Wortschatz, Grammatik und Sprachfähigkeit.
Was ist die immersive Lernmethode?
Die Lernmethode “Dynamic Immersion” ist eine Eigenentwicklung, bei der Rosetta Stone auf Erklärungen, Vokabellisten und Auswendiglernen verzichtet. Stattdessen sollst du die Zielsprache konsequent anwenden – unterstützt durch Bilder und Audio.
Das ist ein himmelweiter Unterschied zu anderen Sprachlern-Apps, die meistens auf eine Kombination aus der sogenannten deduktiven Methode und Spaced Repetition bestehen.
Was ist die immersive Lernmethode?
In Bezug auf Sprachlern-Apps bedeutet “immersiv”, dass du so weit wie möglich in die virtuelle Lernumgebung eintauchst. Rosetta Stone bspw. setzt auf viele Bilder, die dir einen Kontext geben sollen und verzichtet so auf Übersetzungen. Auch ist die Simulation von realen Situationen möglich (z. B. ein Gespräch in einem Café), um dir eine möglichst realistische Lernerfahrung zu bieten.
Welches Sprachniveau erreiche ich mit Rosetta Stone?
Rosetta Stone unterteilt seine Kurse nicht in die entsprechenden Niveaus von A1 bis C1, sondern in eigene Kapitel, die etwas anders unterteilt sind. Das macht einen Vergleich als “Zwischenstand” schwierig.
Aber am Ende des jeweiligen Kurses hast du dann das höchste bei Rosetta Stone verfügbare Level erreicht. Welches das genau ist, ist nicht immer ganz klar. Denn Rosetta Stone orientiert sich nur sehr grob am internationalen Sprachstandard GER.
Für Englisch ist das beispielsweise das Sprachniveau C1.
Allerdings empfiehlt Rosetta Stone selber, noch weitere Quellen zu nutzen (z. B. andere Apps) und einen externen Sprachtest zu machen. Eine Garantie, das entsprechende Level zu erreichen, bietet Rosetta Stone dir nicht. Andere Kurse, wie Niederländisch oder Tagalog, sind deutlich kürzer, hier erreichst du (maximal) das Niveau B1.
![]()
Hermann Schnitzler
trusted-Experte für Digitale-Dienste
Meine Erfahrungen mit Rosetta Stone waren zumindest zum Einstieg wirklich positiv. Mit der Immersionsmethode wirst du direkt ins kalte Wasser geworfen. Das funktioniert super; du fängst direkt an, in der Lernsprache zu sprechen. Später war ich dann aber weniger zufrieden. Einerseits ist mir persönlich die Lernkurve zu flach; andererseits stößt die Immersion teilweise an ihre Grenzen. Nur ein Beispiel: Zahlen mit Rosetta Stone zu lernen ist mühselig, weil du die Zahlwörter für 37 und 38 z. B. anhand von Bildern mit unterschiedlich vielen Tellern darauf lernen sollst.
Bei Rosetta Stone konntest du über lange Zeit Live-Unterricht buchen. Rosetta Stone war zwar kein Online-Kurs à la Lingoda (oder Babbel mit seinem ebenfalls eingestellten Angebot “Babbel Live”); stattdessen ähnelten die Sitzung eher Live-Tutoring bzw. Nachhilfe, wie du sie evtl. aus deiner Schulzeit kennst. Aufgrund hoher Kosten und geringer Nachfrage wurden diese Sitzungen zum Testzeitpunkt nicht mehr angeboten.
Wie kannst du mit Rosetta Stone erfolgreich lernen?
- Einstufungstest: Einen Einstufungstest bietet Rosetta Stone nicht. Stattdessen wählst du einfach ein Thema aus, mit dem du loslegen möchtest. Oder du startest ganz am Anfang.
- Kontinuierliche Lernstandsprüfung: Am Ende jedes Kapitels erhältst du einen personalisierten Fortschrittsbericht. Dieser zeigt dir an, wie gut du in den verschiedenen Themenbereichen (z. B. Wortschatz oder Grammatik) abgeschnitten hast und wie lange du dafür gebraucht hast.
- Fehlerkorrektur: Über Fehler wirst du sofort informiert, am Ende einer Lektion sollst du die Übung dann wiederholen. Das ist Branchenstandard.
- Wiederholmanager: Einen Wiederholmanager gibt es nicht. Kapitel, die du zu 100 % geübt hast, werden als abgeschlossen markiert. Wiederholen kannst du sie allerdings auf freiwilliger Basis jederzeit.
Am Ende eines Kapitels siehst du, wie gut du in den einzelnen Bereichen abgeschnitten hast.
Screenshot: trusted.de
Quelle: rosettastone.com